Eine neuartige Therapie mit sogenannten bispezifischen Antikörpern erzielte in einer aktuellen Studie erste Erfolge bei Patientinnen mit systemischem Lupus erythematodes (SLE). Dabei könnte die Therapie einige Vorteile gegenüber der ebenfalls neuen Therapie mit CAR-T-Zellen bieten.
An der Studie nahmen zwölf Frauen teil, die an einem SLE erkrankt waren. Dabei handelt es sich um eine chronische Autoimmunerkrankung, die besonders häufig Frauen im Alter zwischen 20 und 40 Jahren betrifft. Chronische Entzündungen in Haut, Gelenken, Nieren und anderen Organen können bei den Betroffenen zu einer Vielzahl an Symptomen führen. Zu allgemeinen Anzeichen gehören anhaltende Müdigkeit und Erschöpfung, wiederkehrendes Fieber sowie ungewollter Gewichtsverlust.
Eine wichtige Rolle bei der Entstehung des SLE spielen fehlgeleitete B-Zellen, die zu den Immunzellen gehören. Sie können Autoantikörper bilden, die sich gegen körpereigene Strukturen richten und zu chronischen Entzündungen führen. In klinischen Studien konnten sogenannte CAR-T-Zelltherapien durch die gezielte Entfernung von B-Zellen bereits vielversprechende Ergebnisse in der Behandlung des SLE erzielen. Ein großer Nachteil ist jedoch die aufwendige Herstellung der Zellen, die für jeden Patienten individuell erfolgen muss. Zudem benötigen die Patienten eine aggressive Vorbehandlung mit einer Chemotherapie.
Die neue Studie untersuchte deshalb einen möglicherweise einfacheren Behandlungsansatz. Dabei kam der bispezifische Antikörper A-319 zum Einsatz. Das Besondere ist, dass der Antikörper gleichzeitig an T-Zellen und an B-Zellen binden kann. Dadurch werden die T-Zellen des Immunsystems direkt mit den B-Zellen zusammengebracht und können diese zerstören. Im Vergleich zu der aufwendigeren CAR-T-Zelltherapie können die bispezifischen Antikörper im Voraus synthetisch hergestellt und bei verschiedenen Patienten eingesetzt werden. Zudem ist keine vorherige Chemotherapie notwendig, die das Immunsystem der Patienten herunterfährt.
Für die Studie erhielten die Patientinnen über vier Wochen hinweg insgesamt zwölf Infusionen mit dem bispezifischen Antikörper A-319. Anschließend wurden die Effekte über einen Zeitraum von einem Jahr beobachtet. Das Ergebnis: Bei höheren Dosierungen ließen sich die B-Zellen im Blut nahezu vollständig entfernen. Von zehn auswertbaren Patientinnen erreichten acht eine niedrige Krankheitsaktivität. Bei sechs der zehn Patientinnen war die Erkrankung nach zwölf Monaten weitgehend zur Ruhe gekommen. Darüber hinaus konnte der tägliche Kortisonbedarf um 67 % gesenkt werden und auch der Autoantikörperspiegel sank bei den Patientinnen deutlich.
Ein besonderes Augenmerk lag auch auf der Sicherheit und Verträglichkeit der Behandlung. Bei fast allen Patientinnen kam es vorübergehend zu einer milden Überreaktion des Immunsystems in Form eines sogenannten Zytokinfreisetzungssyndroms, das sich vor allem durch Fieber äußerte. Bei sieben der Patientinnen traten zudem im Verlauf Infektionen auf, die überwiegend mild verliefen. Schwere Nebenwirkungen wurden jedoch nicht beobachtet.
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass bispezifische Antikörper künftig als mögliche Alternative zur CAR-T-Zelltherapie eine weniger aufwendige Therapiemöglichkeit beim SLE darstellen könnten. Aufgrund der frühen Phase der Studie und der geringen Teilnehmerzahl sind jedoch größere kontrollierte Studien notwendig, bevor die Sicherheit und Wirksamkeit der Therapie abschließend beurteilt werden können.