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Neue Studie zeigt, wie Stress autoimmunbedingten Haarausfall begünstigen kann

Psychischer Stress kann autoimmunbedingten Haarausfall verstärken. Eine Studie an Mäusen zeigt nun, warum: Der Botenstoff Noradrenalin weckt in den Stammzellen der Haarfollikel uralte Virusreste im Erbgut, und fehlen zugleich schützende regulatorische T-Zellen, greift das Immunsystem die Follikel an.

Illustration eines Haares in der Haut, um dessen Wurzel sich eine leuchtende Nervenfaser windet, daneben ein Viruspartikel und mehrere Immunzellen
Illustration eines Haares in der Haut, um dessen Wurzel sich eine leuchtende Nervenfaser windet, daneben ein Viruspartikel und mehrere Immunzellen

Es ist seit längerem bekannt, dass erhöhter Stress über lange Zeiträume einen autoimmunbedingten Haarausfall verstärken kann. Der genaue Mechanismus dahinter blieb bislang jedoch unklar. In Versuchen mit Mäusen fanden Forschende nun heraus, wie Stress das Immunsystem beeinflussen und dadurch autoimmunbedingten Haarausfall begünstigen kann.

Autoimmuner Haarausfall ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem fälschlicherweise die eigenen Haarfollikel angreift. Meist führt die Erkrankung zu einem kreisrunden Haarausfall, auch Alopecia areata genannt, der sich durch plötzlich auftretende, runde oder ovale kahle Stellen auf der Kopfhaut äußert. In besonders schweren Fällen kann es zum vollständigen Verlust der Haare auf der Kopfhaut und am ganzen Körper kommen. Im Unterschied zum erblich bedingten Haarausfall tritt der autoimmune Haarausfall oft bereits im Kinder- oder Jugendalter auf, kann sich im Verlauf von Jahren jedoch wieder zurückbilden.

Unter normalen Umständen besitzen die Haarfollikel einen besonderen Schutz, der verhindert, dass das Immunsystem die nachwachsenden Haare als fremd einstuft und angreift. Eine wichtige Rolle spielen dabei spezielle Immunzellen, sogenannte regulatorische T-Zellen, die eine überschießende Immunreaktion verhindern. Wird dieser Schutz gestört, können andere Immunzellen die Haarfollikel angreifen und dann zum typischen Haarausfall führen.

In ihrer Studie fanden die Forschenden aus China und USA heraus, dass dabei zwei Faktoren eine wichtige Rolle spielen. Insbesondere in der aktiven Wachstumsphase des Haares ist das Nervensystem im Bereich der Haarfollikel besonders aktiv und setzt vermehrt den Botenstoff Noradrenalin frei. Dieser bindet an Rezeptoren auf den Stammzellen der Haarfollikel und führt zu der Aktivierung endogener Retroviren. Dabei handelt es sich um genetische Überreste urzeitlicher Viren, die sich im Laufe der Evolution durch Infektionen fest in das Erbgut eingebaut haben. Normalerweise sind die endogenen Retroviren inaktiv. Werden sie jedoch aktiviert und ist gleichzeitig die Zahl an regulatorischen T-Zellen vermindert, kann das Immunsystem die Stammzellen der Haarfollikel angreifen und zerstören.

Die Forschenden liefern damit zugleich eine mögliche Erklärung dafür, warum psychischer Stress den autoimmunbedingten Haarausfall verstärken kann. In Versuchen mit Mäusen zeigte sich, dass Stress die Aktivität der Nervenfasern und damit die Ausschüttung von Noradrenalin auch außerhalb der Wachstumsphase erhöhte. Bei gleichzeitig verringerter Zahl regulatorischer T-Zellen kam es daraufhin zu einer starken Reaktion des Immunsystems gegen die Haarfollikel.

Das Forscherteam untersuchte ebenfalls Möglichkeiten, diesen Vorgang zu unterbrechen. Durch die Hemmung der reversen Transkriptase, einem für die Aktivität der Retroviren wichtigen Enzym, gelang es ihnen, den autoimmunbedingten Haarausfall bei den Mäusen einzudämmen. Auch ein gezieltes Ausschalten des Noradrenalin-Rezeptors auf den Stammzellen konnte die Zerstörung durch das Immunsystem verringern und den Haarausfall abschwächen. Ob der gleiche Mechanismus auch bei Menschen eine entscheidende Rolle spielt, ist jedoch noch unklar. Die Forschenden betonen, dass dafür weitere Studien mit menschlichen Proben notwendig sind.

Quelle: https://www.nature.com/articles/s41586-026-11098-y

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