Wenn Menschen älter werden, bedeutet das meist, dass die Entzündungsprozesse im Körper zunehmen. Dieser Zustand wird auch als „Inflammaging“ bezeichnet, eine Zusammensetzung aus den englischen Wörtern inflammation und aging. Diese chronischen, unterschwelligen Entzündungsprozesse sind mit dafür verantwortlich, dass viele chronische Krankheiten im Alter vermehrt auftreten und an Schwere zunehmen. Dazu zählen neben Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebserkrankungen und Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes auch die meisten Autoimmunerkrankungen.
Eine Ausnahme bildet der Systemische Lupus Erythematodes (SLE), eine chronisch-entzündliche Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem fälschlicherweise körpereigenes Gewebe angreift und Entzündungsreaktionen im gesamten Körper verursachen kann. Zu den häufigsten Symptomen zählen chronische Erschöpfung, Gelenkschmerzen und typische Hautveränderungen, doch auch Schäden an Organen wie Lunge, Nieren und Herz sind möglich. Die meist in Schüben auftretende Erkrankung betrifft vor allem Frauen in einem Alter zwischen 15 und 45 Jahren. Das Besondere am SLE ist, dass die Krankheitsaktivität im Alter häufig abnimmt. Forschenden aus den USA ist es nun gelungen, eine wissenschaftliche Erklärung für dieses Phänomen zu liefern.
Für die Studie untersuchten sie Blutproben von 287 SLE-Patienten und 928 gesunden Kontrollpersonen. Ihr Augenmerk lag dabei auf dem sogenannten Interferon. Dabei handelt es sich um Signalproteine, die vom Körper als Reaktion auf Erreger oder Tumorzellen gebildet werden und zu einer Aktivierung von Immunzellen führen, die diese bekämpfen. Bei Betroffenen mit SLE führt eine Überreaktion dieses Systems zu einer vermehrten Ausschüttung von Interferonen und damit zu den typischen Entzündungen.
Bei ihren Untersuchungen machten die Forschenden eine spannende Entdeckung. Während die Interferon-Werte bei gesunden Menschen mit dem Alter stiegen, sanken sie bei SLE-Patienten im Alter deutlich ab. Gleichzeitig sank bei ihnen auch die Aktivität der Krankheit. In weiteren Untersuchungen konnten die Forschenden den Grund für diese Veränderung finden. Mit zunehmendem Alter kommt es bei Patienten mit SLE zur sogenannten Hypermethylierung. Dabei heften sich winzige Moleküle (Methylgruppen) an die DNA von Genen an, wodurch diese nicht mehr abgelesen werden können. Da vor allem Interferon-stimulierende Gene betroffen sind, wird die Produktion der Interferone verringert und die chronische Entzündungsreaktion des SLE gedämpft.
Mit ihrer Studie konnte das Forscherteam eindrücklich beweisen, wieso ein höheres Lebensalter oft mit einem milderen Krankheitsverlauf des Systemischen Lupus Erythematodes einhergeht. Gleichzeitig deuten die Ergebnisse darauf hin, dass das Alter der Betroffenen die Wirksamkeit von bereits zugelassenen Medikamenten, die gezielt den Interferon-Signalweg blockieren, beeinflussen und zukünftig ein stärkerer Faktor in der individuellen Therapie werden könnte.