In einer internationalen Studie konnten Forschende zeigen, dass der Botenstoff Interferon-alpha (IFNα) eine wichtige Rolle bei der Entstehung des Sjögren-Syndroms spielt und in einigen Fällen bereits Jahre vor der Diagnose messbar ist.
Beim Sjögren-Syndrom handelt es sich um eine chronische Autoimmunerkrankung, die vor allem Frauen im Alter zwischen 40 und 60 Jahren betrifft. Es kommt zu einer fehlgesteuerten Autoimmunreaktion, bei der vor allem Tränen- und Speicheldrüsen angegriffen werden. Doch auch andere Organe wie Gelenke, Muskeln, Lunge oder Niere können von der Krankheit betroffen sein. Zu den typischen Symptomen zählen Trockenheit von Mund und Augen sowie Müdigkeit und Gelenkbeschwerden.
Für ihre Studie untersuchte das Forscherteam Proben von 177 Personen mit Sjögren-Syndrom und nutzte Daten der UK Biobank, einer britischen Bevölkerungsstudie mit etwa 50.000 Teilnehmenden. Sie konzentrierten sich dabei auf das Protein IFNα, ein Botenstoff des angeborenen Immunsystems, der eine wichtige Rolle in der Abwehr von Virusinfektionen und Tumoren spielt. Mithilfe hochsensibler Messverfahren stellten die Forschenden fest, dass etwa 61 % der Patienten deutlich erhöhte IFNα-Werte aufwiesen. Sie fanden zudem heraus, dass diese Patienten spezifische Merkmale wie ein Mangel an bestimmten Blutzellen, erhöhte Antikörperwerte im Blut sowie spezielle Autoantikörper aufwiesen. Interessanterweise ließen sie sich klinisch nicht von Patienten mit normalen IFNα-Spiegeln unterscheiden.
Doch die Forschenden machten noch eine weitere beeindruckende Entdeckung. Analysen aus der UK Biobank haben gezeigt, dass die IFNα-Werte bei vielen Betroffenen bereits vor der eigentlichen Diagnose erhöht waren. In einem Fall war ein Anstieg des IFNα sogar schon 14 Jahre vorher messbar. Das sei ein Hinweis darauf, dass der Krankheitsprozess biologisch schon deutlich früher beginnt.
Um zu beweisen, dass das erhöhte IFNα tatsächlich ursächlich für die Entwicklung der Erkrankung und nicht nur eine Folge davon ist, führten die Forschenden Untersuchungen mit Mäusen durch. Dazu erhöhten sie durch die Veränderung des Erbguts die Produktion von IFNα in bestimmten Immunzellen. Das Ergebnis: Bereits die chronische Erhöhung von IFNα allein reichte aus, um in den Mäusen Sjögren-typische Immunstörungen auszulösen. Eine Blockade des Interferon-Rezeptors konnte zwar die Überlebensrate der Mäuse sowie einige der Blutwerte verbessern, bereits bestehende Fehlregulationen der Immunzellen und die Autoantikörper blieben jedoch bestehen.
Die Studie zeigt, dass IFNα nicht nur eine wichtige Rolle in der Entstehung des Sjögren-Syndroms spielt, sondern in Zukunft auch als möglicher Marker zur frühen Identifizierung gefährdeter Personen dienen könnte. Zudem unterstreicht sie laut Forschenden die Bedeutung einer frühen Diagnose und personalisierten Therapie des Sjögren-Syndroms.
Quelle: https://www.thelancet.com/journals/lanrhe/article/PIIS2665-9913(26)00038-X/fulltext