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Studie erprobt mit Obexelimab ein neues Medikament gegen die IgG4-assoziierte Erkrankung

Mit Obexelimab testet eine Phase-3-Studie einen neuartigen bifunktionalen Antikörper gegen die seltene IgG4-assoziierte Erkrankung: Statt die B-Zellen zu zerstören, bremst er sie gezielt aus – mit fast doppelt so vielen symptomfreien Patienten nach 52 Wochen und deutlich selteneren Krankheitsschüben.

Illustration der Obexelimab-Doppelbindung an einer B-Zelle: gleichzeitige Bindung an das CD19-Antigen und den hemmenden FcγRIIb-Rezeptor
Illustration der Obexelimab-Doppelbindung an einer B-Zelle: gleichzeitige Bindung an das CD19-Antigen und den hemmenden FcγRIIb-Rezeptor

Die IgG4-assoziierte Erkrankung (IgG4-RD) ist eine seltene, chronisch-entzündliche Autoimmunerkrankung, die zu tumorartigen Schwellungen und Gewebevernarbungen führen kann. Auslöser sind die von Immunzellen produzierten Antikörper vom Typ IgG4, die sich gegen körpereigene Strukturen richten. Da fast jedes Organ betroffen sein kann, können die Symptome sehr unterschiedlich sein. Um die Entzündungsreaktionen zu dämpfen, wird die Erkrankung in der Regel mit Cortison behandelt. Eine langfristige Cortison-Behandlung kann jedoch mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden sein, und viele Patienten erleiden nach dem Absetzen einen Rückfall.

Einen neuen, vielversprechenden Therapieansatz könnte das Medikament Obexelimab bieten, das sich in der letzten Phase der klinischen Erprobung befindet. In einer aktuellen Studie wurden nun erste Ergebnisse über die Wirksamkeit und Sicherheit dieses Medikamentes präsentiert.

Bei Obexelimab handelt es sich um einen gentechnisch hergestellten Antikörper, der sich gezielt gegen die IgG4-Antikörper produzierenden Immunzellen, die sogenannten B-Zellen, richtet. Dabei bietet Obexelimab einen möglichen Vorteil gegenüber bisherigen Therapien mit Antikörpern wie Rituximab. Als sogenannter bifunktionaler Antikörper bindet Obexelimab gleichzeitig an zwei verschiedene Strukturen auf der Oberfläche der B-Zelle, nämlich das CD19-Antigen und den hemmenden FcγRIIb-Rezeptor. Es ahmt damit natürliche Hemmsignale des Körpers nach, die eine Überreaktion des Immunsystems verhindern sollen. Anstatt die B-Zellen vollständig zu zerstören, werden sie lediglich in ihrer Funktion und Aktivität eingeschränkt. Dadurch soll sichergestellt werden, dass das Immunsystem genügend Restfunktion besitzt, um sich vor schweren Infektionen zu schützen.

Im Rahmen der Studie erhielten 194 Patienten mit aktiver IgG4-RD entweder einmal wöchentlich eine Spritze Obexelimab oder eine Kontrolle (Placebo). Parallel wurde bei allen die begleitende Cortison-Therapie schrittweise abgesetzt. Die Ergebnisse nach 52 Wochen waren vielversprechend. Im Vergleich zu der Placebo-Gruppe erreichten fast doppelt so viele Patienten unter Obexelimab eine vollständige Symptomfreiheit. Das Risiko für einen Krankheitsschub konnte ebenfalls deutlich gesenkt werden und Patienten, die Obexelimab erhielten, benötigten im Falle eines Schubes deutlich weniger Cortison-Dosen. Insgesamt wurde Obexelimab gut vertragen. Zu den häufigsten Nebenwirkungen zählten Gelenkschmerzen, Entzündungen des Nasen-Rachen-Raums, Überempfindlichkeitsreaktionen und Durchfall. Überraschenderweise traten schwere Nebenwirkungen in der Obexelimab-Gruppe sogar seltener auf als in der Placebo-Gruppe.

Die Studie zeigt, wie Obexelimab durch die gezielte Hemmung von Immunzellen ein geeignetes Mittel für die Therapie einer seltenen Autoimmunerkrankung werden könnte. Bis dahin werden jedoch noch weitere Untersuchungen, unter anderem zu den Langzeitwirkungen, der Anwendbarkeit und der Sicherheit bei Daueranwendung nötig sein. Um weitere Daten zu sammeln, wird die Studie derzeit im Rahmen einer offenen Verlängerungsphase für drei Jahre fortgesetzt.

Quelle: https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa2601337

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