Ein internationales Forscherteam unter Leitung der Swansea University Medical School in Großbritannien hat einen neuen Weg gefunden, mit dem Autoimmunreaktionen bei Erkrankungen wie rheumatoider Arthritis oder Typ 1 Diabetes gehemmt werden können. Hierdurch wurde möglicherweise ein neues Ziel in der Behandlung von Autoimmunerkrankungen entdeckt.In ihren Arbeiten untersuchten die Forschenden das sogenannte Protein ABHD11, ein Eiweißmolekül, das in den Mitochondrien der menschlichen Zellen vorkommt. ABHD11 spielt eine wichtige Rolle im Stoffwechsel der Mitochondrien, welche die Zellen als „Kraftwerke“ mit Energie versorgen. Bisher ist nicht vollständig geklärt, wie genau das ABHD11-Protein den Zellmetabolismus reguliert. Man weiß jedoch, dass bestimmte Immunzellen bei Betroffenen mit rheumatoider Arthritis in Phasen der Remission, also bei rückläufiger Krankheitsaktivität, eine geringere Aktivität von ABHD11 aufweisen als bei Patienten mit einer hohen Krankheitsaktivität.
Diese Beobachtung machten sich die Forschenden zunutze, indem sie in Laborversuchen das Protein ABHD11 in Immunzellen von Patienten mit rheumatoider Arthritis und Typ 1 Diabetes medikamentös hemmten. Sie fanden heraus, dass durch die Unterdrückung von ABHD11 der Energiezyklus der Immunzellen gestört und vermehrt das Stoffwechselprodukt Laktat gebildet wurde. Das Laktat regte die Zellen dazu an, sogenannte Oxysterole, ein Stoffwechselprodukt des Blutfettes Cholesterin, herzustellen. Dieser erhöhte Oxysterol-Spiegel wiederum führt zur Aktivierung eines Signalwegs („Liver X receptor“, LXR), wodurch die Funktion von Immunzellen unterdrückt wird und es zu einer deutlich verringerten Produktion von Entzündungsstoffen kommt.
Das Forscherteam ging sogar noch einen Schritt weiter und wandte ihre Methoden in Mausmodellen für Typ 1 Diabetes an. Hier führte die Hemmung des ABHD11-Proteins zu einem deutlich verzögerten Ausbruch der Krankheit.
Die Forschenden vermuten, dass sich dieses Modell möglicherweise auch auf Menschen übertragen lässt und die Hemmung von ABHD11 somit ein geeignetes Ziel für zukünftige Therapien von Autoimmunerkrankungen wie Typ 1 Diabetes sein könnte.