Bei der rheumatoiden Arthritis (RA) handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, die durch eine chronische Entzündung der Gelenke mit Schwellungen, Schmerzen und Steifheit, insbesondere an den Händen und Füßen, gekennzeichnet ist. Schätzungsweise 0,5 bis 1 % der Bevölkerung sind betroffen. Bei vielen von ihnen lassen sich Autoantikörper gegen sog. citrullinierte Proteine (ACPAs) im Blut nachweisen, manchmal schon Jahre, bevor die Erkrankung ausbricht. ACPAs im Blut gelten daher als ein wichtiges Frühwarnzeichen.
Eine in der Zeitschrift Science Translational Medicine veröffentlichte Studie untersuchte über einen längeren Zeitraum hinweg Risikopersonen, die noch keine Symptome einer RA zeigten, aber bereits ACPAs im Blut aufwiesen. Die Forschenden fanden heraus, dass bei den klinisch gesunden Risikopersonen schon lange vor dem Auftreten einer Gelenkentzündung Anzeichen einer systemischen Entzündung bestanden. Bei der Untersuchung von Blutproben der Risikopersonen entdeckten sie eine erhöhte Konzentration einer Reihe von Proteinen, darunter auch viele Entzündungs-Botenstoffe. Auch eine Aktivierung von naiven T- und B-Lymphozyten war zu erkennen. Dabei handelt es sich um ruhende Abwehrzellen des Immunsystems, die durch den Körper zirkulieren und Strukturen erkennen, die das Immunsystem zuvor als schädlich markiert hat. Stoßen die Zellen auf eine solche Struktur, werden sie aktiviert und leiten eine Immunantwort ein.
Im Verlauf der Studie kam es bei etwa einem Drittel der Risikopersonen zu einem Ausbruch der klinischen Symptome einer RA. Wenige Tage vor diesem Ausbruch beobachteten die Forschenden eine zunehmende Aktivität entzündlicher Monozyten. Monozyten sind Immunzellen, die sich nach Aktivierung in Fresszellen umwandeln können und daraufhin körperfremde Erreger und Strukturen bekämpfen. Das Forscherteam fand zudem heraus, dass ein Teil dieser Monozyten bereits ähnliche genetische Merkmale aufwies wie diejenigen Fresszellen, die maßgeblich an der Gelenkentzündung bei RA-Betroffenen beteiligt sind. Interessanterweise kam es während des Ausbruchs der klinischen RA nicht zu einem weiteren Anstieg der ACPA-Werte im Blut.
Nach Ansicht der Forschenden stützen diese Beobachtungen die Schlussfolgerung, dass schon lange vor dem Auftreten der klinischen RA eine systemische Entzündung vorliegt und nicht die Zunahme von Antikörpern, sondern eine Fehlregulation auf zellulärer Ebene sowie ein Anstieg der Immunzellen für den Übergang in eine symptomatische rheumatoide Arthritis verantwortlich sind. Diese Erkenntnisse könnten zukünftig dabei helfen, neue und effektivere Therapieansätze zu entwickeln, die eine rheumatoide Arthritis möglicherweise sogar verzögern oder verhindern können.
Quelle: https://www.science.org/doi/10.1126/scitranslmed.adt7214